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Wildkatzen als Haustiere

  

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Auch das gehört zum Thema Wildkatzen: Manche Menschen glauben, aus Prestigegründen oder warum auch immer, sich Wildkatzen als Haustiere halten zu müssen. Wer nicht wie Heide-Maria Fahrenholz genügend Engagement, Zeit, Einfühlungsvermögen und viel, viel Geld mitbringt, um sich seine private Raubtieranlage zu bauen, scheitert in der Regel. Wildkatzen sind als Haustiere gänzlich ungeeignet.
Heide-Maria Fahrenholz: Meine Wildkatzen. Vorwort: Paul Leyhausen, München: Piper Verlag 1980 

Zitate:

aus dem Text:

Die erste Nacht verbrachte Bämmie [ein Margay-Junges - Anmerkung AB] bei mir im Bett. Zusammengerollt lag er neben meiner Nase auf dem Kopfkissen. Er stank so penetrant nach Vogelmist, daß es mir fast den Atem nahm. An Schlaf war kaum zu denken. Ich hatte Bämmie drei Katzentoiletten in meinem Zimmer bereitgestellt, eine mit wenig Wasser gefüllt, eine mit Katzenstreu und die dritte mit Zeitungspapier. Ich war gespannt, ob und vor allem welche er benutzen würde.

Irgendwann in der Nacht, ohne daß ich es merkte, mußte er das Bett verlassen haben und wieder zurückgekehrt sein, denn als ich aufwachte, fand ich ihn in meiner Kniekehle geborgen, und im Wasserklo schwamm ein Häufchen Kot. (47)

Er litt an fast allen Krankheiten, die es gibt, und es war nicht sicher, ob er nicht auch die tödlich endende Katzenseuche in sich trug. Er hatte Katzenschnupfen, eine schwere Bindehautentzündung, außerdem war er stark erkältet, nahe einer Lungenentzündung. Das Ergebnis der Kotuntersuchung lag einige Tage später vor. Bämmie hatte Haken- und Spulwürmer, Kokzidien und Salmonellen der A- und B-Gruppe, der gefährlichsten und ansteckendsten Arten. (47)

Eine Woche, nachdem Bämmie bei uns war, begann ich mich sehr schlecht zu fühlen. Ich bekam 39,5 Fieber und typhusähnliche Erscheinungen. Unser Hausarzt verschrieb mir das gleiche Mittel, das auch Bämmie einnehmen mußte. Zweifelsfrei hatte ich mich mit seinen Salmonellen angesteckt. (50)

Unser Haus ist ein ideales Baumozelotgehege. Bämmie kann auch den senkrechten Stützbalken zwei Stockwerke hochklimmen und dann auf den horizontalen Deckenbalken weiterturnen wie auf einem riesigen Baum. Sein Skelett war nach kurzer Zeit so stabil, daß er sofort aufstand und weiterlief, als er einmal von der Galerie im ersten Stock hinunter auf den Klinkerboden im Erdgeschoß fiel, während mir vor Schreck das Herz fast stehenblieb. Nur eine leichte Verkrümmung der Vorderbeine deutet heute noch auf Bämmis einstigen Kalziummangel hin, nicht zu vergleichen mit den armen dackelbeinigen Ozelots, denen ich später noch begegnen sollte, die oft nicht imstande waren, richtig zu laufen, geschweige denn zu klettern. Trotzdem hätte bei rechtzeitiger  richtiger Behandlung auch das vermieden werden können.

Als der letzte negative Befund von Bämmis Kotprobe eintraft, konnte ich langsam daran denken, ihn Once [Fahrenholz' erste Wildkatze,   ein Oncilla - Anmerkung AB] vorzustellen.

Ich begann ganz behutsam, indem ich Kot und Urinproben des kleinen Margay zur gefälligen Begutachtung in Onces Zimmer schaffte. Der Oncilla beroch alles gründlich und flehmte ausgiebig. Er fing nun plötzlich an, sein Zimmer nicht nur mit Urin zu markieren, sondern er setzte auch überall kleine Kothäufchen ab. (52)

Über eine Margay-Kätzin, die Fahrenholz vorübergehend gepflegt hatte, schreibt sie:

Sari hat ihren Besitzern noch viel Kummer bereitet. Einmal hat sie einen Handwerker so gebissen, daß er sich vierzehn Tage krankschreiben lassen mußte. 3.000 DM Schmerzensgeld und Arbeitsausfall mußten bezahlt werden, nur weil Sari einen Moment lang unbeaufsichtigt war. Nach der Scheidung des Ehepaares lebte Sari mit ihrer Herrin allein, und als diese so krank wurde, daß sie sich für ein paar Wochen in Kur begeben mußte, wurde Sari eingeschläfert. (62)

Nicht zu unterschätzen: das Urinieren:

Die meisten Wildkatzen spritzen bei heißem, schwülem Wetter besonders stark, besonders wenn sie kein Außengehege zur Verfügung haben. Oder es kann sein, daß sie im Spiel plötzlich innehalten und buchstäblich vor lauter Begeisterung mitten im Zimmer in die Luft spritzen. Manche spritzen ostentativ, wenn sie gemaßregelt wurden oder wenn sie sich geärgert haben oder gedemütigt fühlen. Andere spritzen, während sie sehnsüchtig am Fenster pendeln, bei jeder Kehrtwendung an die Scheibe. Eine beliebte Art, Besitzansprüche anzumelden, ist, den gewählten Gegenstand, den vertrauten Menschen nicht ausgenommen, gründlich mit Urin abzuduschen. Besonders unwiderstehlich sind Dinge, die ausnahmsweise einmal nicht am gewohnten Ort stehen. Man wird so zwangsläufig zur Ordnung erzogen. (65/6)

Eines Abends, als Bernd [Fahrenholz' Ehemann - Anmerkung AB] sein frischbezogenes Bett aufschlug, um sich wohlig-müde hineinfallen zu lassen, landete er in etwas, das weiß Gott nicht hierhergehörte. Bämmie hatte klammheimlich unter der Bettdecke sein Geschäft verrichtet. Wortlos vor Wut verließ Bernd fluchtartig sein Zimmer. (...) Am nächsten Morgen war viel die Rede davon, daß Bämmie eigentlch ausgestopft gehöre, daß eine Glaswand, ein Netz oder das nächstbeste Brett die offene Seite des Zimmers verschließen müsse und daß der Mensch wenigstens einen hygienischen Raum zum Leben brauche. (66/7)

Gründe für das Scheitern privater Wildkatzenhaltung:

Viele Privatleute scheitern an der Haltung einer wilden Katze ... nicht nur, weil sie beißt und kratzt oder spritzt, sondern weil deren unermüdliche Energie, ihr Forschungs- und Bewegungsdrang und ihre Neugierde ihren Besitzer zur Verzweiflung treiben können. (33/34)

aus Vorwort von Paul Leyhausen:

Schließlich könnte mancher fragen, ob sich denn ein solcher Einsatz für eine kleine Gruppe gottverlassener Wildtiere in Gefangenschaft lohne, ja, ob er zu verantworten sei, wo es doch so viel drängendere, unmittelbar menschliche Probleme zu lösen gelte. Immer findet sich jemand, der meint, die Tierschützer sollten doch lieber um mißhandelte Kinder kümmern, die Naturschützer, statt wegen dieser oder jener aussterbenden Art zu jammern, den Hunger in der Welt zu bekämpfen helfen, die Umweltschützer besser an die ungerechte Verteilung der Güter in dieser Welt denken, und so weiter. Das klingt aufs erste recht und billig, doch das Gewebe des Lebens ist eine Einheit, die nur als ganze gepflegt und erhalten werden kann. Die einseitige Mißachtung oder Zerstörung auf der einen, die einseitige Förderung auf der andren Seite kann zum Schluß nur alles zugrunde richten. (S. 10)

Was Wildkatzen in "privater" Gefangenschaft erleben, wird in dem Buch - es ist leider vergriffen - ausführlichst dargestellt. Fahrenholz kümmert sich nur um "gestrandete" Katzenexistenzen, ausschließlich Südamerikaner (Oncilla und Co) und rettet sie so vor dem sicheren Tod. Aus ihren Erfahrungen heraus - ihr ländlich gelegenes Haus wird von den Miezen regelrecht zerlegt - läßt sie ein vorbildliches Kleinkatzenhaus bauen, mit Innen- und Außengehegen, das für die 70er Jahre beispiellos war.
In den USA, wo es noch mehr private Wildkatzenhalter gibt, existieren mittlerweile eine Reihe von Vereinen, die einen Großteil der Opfer retten können. Man kann dort als Mitglied, Spender oder Sponsor des Vereins daran mitarbeiten, daß die wilden Onkel und Tanten der Hauskatze einen Platz finden, der wenigstens so "komfortabel" ist wie ein Zoo.
  • Big Cat Rescue
    "Big Cat Rescue, a non profit educational sanctuary, is devoted to rescuing and providing a permanent home for exotic (i.e. wild, not domestic) cats who have been abused, abandoned, bred to be pets, retired from performing acts, or saved from being slaughtered for fur coats, and to educating the public about these animals and the issues facing them in captivity and in the wild."
  • Cat House / Feline Conservation Center (FCC)
    Eine der bekanntesten Aufzuchtstationen für "gestrandete" Wildkatzen mit Sitz in Rosamond, California, USA. Dank großzügiger Geldspenden - man veranstaltet regelmäßig Gesellschaften - ist die Anlage mit entsprechenden Gehegen ausgestattet. Man findet dort eine Zahl von Katzen unterschiedlichster Spezies versammelt wie sonst in keinem Zoo: Amurleoparden, Fischkatzen, Margays, Jaguarundis, Falbkatzen, Nordchinesische Leoparden, Leopardenkatzen usw. usf. Rosamond liegt nördlich von Los Angeles und ist sehr zu empfehlen. Von den Seiten kann sich der Besucher viele Katzenfotos herunterladen, die einen Eindruck von den dortigen Haltungsbedingungen vermitteln.
  • Cat Tales Zoological Park
    "Cat Tales works with various state wildlife agencies, USDA, and HSUS plus private agencies throughout the United States in rescuing and relocation of exotic animals of all types. The Park is on standby to receive and house exotic cats which need homes for various reasons ranging from abandoned or abused animals to the cases where someone wanted a "unique pet" but tired of it after the novelty wore off.

    The zoo averages 45 calls per month regarding animals needing our rescue efforts and is instrumental in helping draft new exotic animal regulations in various communities on a local, state, and federal level to help stop the profiteering in exotic animals all together. Contact us for information on how to get involved with your own local government agencies."

    Außerdem: Ausbildung von Veterinären, Tierpflegern, Zoodirektoren, Tiertrainer, Zoo- und Wildtierpädagogen.

Last Update: 05.02.11

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