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Wildkatzen im Zoo

  

Wildkatzen
Wildkatzen im Zoo
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JaguarEin Zoo-Jaguar, der an den Gittern seines "Domizils" in irgendeinem bundesdeutschen Zoo vorüberstreicht.

In ihm ist mehr Leben und Energie als in den Gaffern, die davorstehen und sich beim Anblick des Ein- und Weggesperrten köstlich amüsieren. Andere, möglicherweise die Mehrheit, bedauert den Ärmsten. Da die Zoos von den Eintrittskarten leben, die ihnen die Besucher zahlen, haben sie neue Gehege gebaut und es den Bewohnern ein wenig "nett gemacht": Betonlandschaften, in die einzelne Vertiefungen eingebracht wurden für Humus, in die ein paar Pflanzen gesetzt wurden. Keine großen, pflegeleichten Badezimmer mehr, sondern geräumige Felslandschaftsattrappen. Die Gitter wurden gegen dicke Panzerglaswände ausgetauscht, vor die sich der Besucher hinhocken kann, ohne Gefahr zu laufen, "markiert" zu werden.

Die Herren über die Zoos, z.B. Zoodirektoren, sind doppelzüngig. Aber manche reden Klartext, wie Prof. Dr. Nogge, der frühere Direktor des Kölner Zoos:

Je naturentfremdeter der Mensch ist, desto erschreckender tritt aber auch seine Beziehungslosigkeit zur Natur und zum Tier zutage. Die unsentimentale Einstellung zum Tier, die der Landbevölkerung selbstverständlich war, ist verlorengegangen. Hieraus resultiert auch eines der häufigsten Vorurteile gegenüber dem Zoo, das darin besteht, den Zoo als Tiergefängnis anzusehen. Jedoch ist auch das freilebende Tier in Wirklichkeit gar nicht so frei, wie vom Laien meist angenommen. Es ist vielmehr unfrei in räumlicher, zeitlicher und persönlicher Beziehung, eingespannt in ein straffes Raum-Zeit-System und eine unerbittliche soziale Hierarchie mit dem ständigen Zwang der Feindvermeidung sowie täglicher Futter- und Wassersuche.

Zootiere sind keineswegs Gefangene. Vielmehr können sie in Menschenobhut ein normales Leben führen, wenn man ihnen - und darin besteht die Kunst des Tiergärtners - die für ihr Wohlbefinden wichtigen, artgemäßen Lebensbedingungen anbietet oder einen brauchbaren Ersatz dafür schafft. In dem Maße, wie die Tiergartenbiologie fortschreitet, d. h. die Kenntnis über die Biologie von Wildtieren und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Haltung in Menschenhand zunehmen, so verändern sich die Zoologischen Gärten.
Aus: Aufgaben und Bedeutung eines Zoos (auch abgedruckt im Zooführer, z.B. von 1992), im Internet nicht mehr verfügbar.

Wer ist eigentlich Gefangener? (Eine Anmerkung)

                        
Aus
Heide-Maria Fahrenholz: Meine Wildkatzen. Vorwort: Paul Leyhausen, München: Piper Verlag 1980
 
Die Scheu vor Unbekanntem, besonders ausgeprägt bei den sehr kleinen Wildkatzenarten, wird oft falsch interpretiert und hat viel dazu beigetragen, daß diesen Tieren immer winzige Käfige zugewiesen werden, weil sie angeblich große Gehege nicht ausnutzen. Dabei ist es ganz normal, daß sich Kleinkatzen in unbekanntem Territorium erst einmal zu verstecken suchen und dabei einen kleinen Raum bevorzugen, der leicht überschaubar ist. Sicher wird dabei übersehen, daß die Tiere Zeit brauchen - manchmal Monate -, um sich an die unnatürlichen Verhältnisse zu gewöhnen, und erst allmählich lernen, sich auch ohne Furcht in einem großen, nicht so leicht überblickbaren Gebiet zu bewegen. Für Kleinkatzen ist es außerdem ungemein wichtig, daß das Innen- und das Außengehege genügend Versteckmöglichkeiten und Deckung aufweisen, weil sie sich dann eher unbefangen Besuchern präsentieren. Jede Kleinkatze, die nicht zahm und an Menschen gewöhnt ist, wird, sich in einem kahlen Käfig in die äußerste Ecke drücken und sich nicht rühren. (34/35)

Wildkatzenhaltung in Zoos:

Viele Kleinkatzen leben in Zoos sogar in kleinen Glaskästen, ohne jemals Sonne und frische Luft genießen zu können. Einige Fachleute sind der Meinung, daß sich der Bewegungsdrang der Katzen verringere, da sie ja gefüttert würden und nicht jagen müßten, um sich zu ernähren. Die Energie und der Bewegungsdrang, die einer gesunden Wildkatze eigen sind, werden aber nicht durch Hungergefühl ausgelöst, sondern sind das eigentliche Wesen dieser Tiere. Daß alle Katzen von Natur aus phlegmatisch seien, ist eine weitere solche Fabel. Das mag auf manche Großkatzenarten zutreffen, aber jemand, der so etwas generell behauptet, hat wohl noch nie sein Haus, sein Bett und seine Badewanne mit einer Wildkatze geteilt. (33)

Die meiner Ansicht nach unfairste Art der Haltung in Zoos, die für Kleinkatzen Mode ist, ist die Unterbringung in Nachthäusern [wie z.B. im Frankfurter Zoo - Anmerkung AB]. Eine künstlich erzeugte Nacht im klimatisierten Glaskasten soll die Tiere veranlassen, sich dem Besucher aktiv in Bewegung zu zeigen. Die natürliche Nacht müssen die Tiere bei elektrischem Licht durchstehen. Besonders Bengalkatzen werden oft in Nachthäusern gehalten. Man sagt dieser Katzenart eine vorwiegend nächtliche Lebensart nach. Daß dies auf sie ebensowenig zutrifft wie auf die allermeisten anderen Kleinkatzenarten, konnte ich lange Zeit hindurch an sieben Bengalkatzen beobachten, die Tag und Nacht Zugang zu einem über 70 qm großen Außengehege hatten. Wie Oncillas, Ocelots und Geoffroykatzen waren auch sie sehr oft bei hellem Tageslicht unterwegs, lagen lange in der Sonne und hatten ihre aktivste Zeit in der Morgen- und Abenddämmerung, wie alle anderen von mir beobachteten Kleinkatzen in Gefangenschaft. Die Zeit zwischen 1 Uhr nachts und 4 Uhr morgens wurde von den Tieren als Schlaf- und Ruhepausen genutzt. (207/8)

               

Last Update: 05.02.11

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